Es wird zur Tradition. An einem der ersten Januarwochenenden treffen wir uns mit Hans-Jürgen und Martina zur Matinee in der Elphi.
Vor dem Musikgenuss am Sonntagvormittag ein gemeinsames Abendessen. Diesmal in einem Hamburger Traditionslokal – dem Gasthaus an der Alster. Natürlich mit Labskaus, einem Bier und Hamburger Kümmel hinterher.
Das Konzert in der Elphi war diesmal russisch geprägt.

Das Orchester (hier beim Einspielen)…

… unter der Leitung von Mikhail Pletnev, einem in der Schweiz lebenden russischen Pianisten.

Pauken und Trompeten kamen voll zum Einsatz. Den Schlusspunkt setzte dann auch noch die Orgel. Die Klanggewalt der Werke überzeugte die Kritikerin des Hamburger Abendblatts und war auch für uns überwältigend.
„Als Dirigent oder Komponist kennt man ihn weniger: einen der
profiliertesten und feinsinnigsten Pianisten, den Russen Mikhail Pletnev.
Jetzt zeigte er beim fünften Saison-Konzert des Philharmonischen
Staatsorchesters, dass er – egal ob Pianist, Dirigent oder Komponist – ein
Künstler ist, der die Musik genau durchleuchtet, Farben, Harmonien,
Strukturen auf den Grund geht. Plastisch und sehr fokussiert kam dieses
ganz russisch ausgerichtete Konzert daher.
Ein Raritäten-Programm. Rachmaninows Orchesterfantasie „Der Fels“
erzählt von zwei Reisenden, die sich in einem Unwetter begegnen und
gemeinsam Schutz suchen. Sie ist lebendig, voller Tatendrang, er frustriert,
deprimiert. Er kann ihr zwar sein Herz ausschütten, aber dann zieht sie von
dannen. Düstere, bedrohliche Klänge stehen hell zwitschernden Flöten
oder sehnsüchtig tönenden Hörnern gegenüber. Schon hier beeindruckt der
warme Orchesterklang, den Dirigent Mikhail Pletnev mit den
Philharmonikern in der Elbphilharmonie kreiert, jede Farbe kann kräftig
leuchten oder zu einer magisch schillernden Mischung beitragen.
Elbphilharmonie: Rachmaninows Raritäten und ein
Pianist, der dirigiert
Pletnev kennt seinen Rachmaninow genau, als Pianist natürlich vor allem.
Und so war Pletnev auch ideal für das ZeitSpiel-Projekt, das sich
Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber für seine erste Saison in
Hamburg ausgedacht hat. Hier trifft Neues auf Bekanntes, zeitgenössische
Komponisten (über-)schreiben einen Satz aus einem bekannten Werk, oder
sie komponieren ein Stück, bei dem sie mit einem Klassiker in Dialog
treten.
Für ZeitSpiel Fünf hat Mikhail Pletnev „Rachmaniana“ geschrieben, eine
achtteilige Suite, mit atmosphärischen, introvertierten Sätzen,
Stimmungsbildern, die auch opulent ins Schwelgen geraten oder
rhythmisch markant sind. Pletnev bleibt bei seiner „Rachmaniana“ nah am
Vorbild, aber die Rhythmik ist mit einer Art „Prise“ Schostakowitsch
gewürzt. Das ist effektvolle, unter die Haut gehende Musik, wunderbar
farbig instrumentiert. Einfach auf den Punkt. Als Komponist ist Pletnev
zwar kein Revolutionär, aber ein Könner.
Philharmonisches Staatsorchester in der Elbphilharmonie:
Infernoartige Klänge, frenetischer Beifall
Und als Dirigent punktet er mit seiner unglaublich klaren
interpretatorischen Vorstellung, das war auch bei der abschließenden
„Manfred“-Sinfonie h-Moll von Tschaikowski zu hören, die selten zu
erleben ist (vielleicht wegen der Länge von fast 70 Minuten). „Manfred“,
der Held aus dem Gedicht von Lord Byron, geht an der inzestuösen Liebe
zu seiner Halbschwester zugrunde.
Tschaikowski findet für die Verzweiflung des Helden infernoartige
Klänge, und immer wieder Musik voller Zartheit, die die emotionalen
Turbulenzen zu beruhigen sucht. Pletnev dirigierte auch hier das
Philharmonische Staatsorchester mit einer Klarheit und klugen Balance der
Effekte. Zu Recht: frenetischer Beifall.