Abflüge ab Düsseldorf – wir werden keine Freunde!
Entspannt fahren wir am Sonntagmittag mit dem BMW in 2 Stunden 30 Minuten zum Flughafen Düsseldorf. Der Flug soll um 18.30 Uhr starten, Boarding ist um 18.00 Uhr. Genug Zeit für Security, Passkontrolle – wir verlassen schließlich die EU – und Lounge. Vor der Zeit sind wir am Gate und warten und warten. Busse die uns eigentlich zur Außenposition bringen sollen fahren vor und fahren leer wieder weg. Keinerlei Information. Um 18.37 Uhr zuerst per Mail, später bestätigt durch eine Durchsage: Der Flug ist annulliert! Grund: Es steht keine Crew zur Verfügung!
Und nun? Wir sollen zur Gepäckausgabe. Nach Erhalt ebendieses soll uns am Eurowingsschalter weiter geholfen werden. Noch auf dem Weg erreicht uns eine Mail, das man uns umgebucht hat auf einen Direktflug am Montag um 6.15 Uhr und das eine Übernachtung zur Verfügung steht. Nachdem wir erfahren haben, dass diese im Maritim direkt am Flughafen stattfinden soll, entschließen wir uns diese Variante anzunehmen. Zwischenzeitlich hat Gesine über HRS (Telefonanruf direkt im Hotel nicht möglich) dem Hotel in Birmingham mitgeteilt, dass wir heute nicht kommen, sie aber das Zimmer halten sollen.
Also wieder Koffer einchecken und hinüber zum Hotel. Dort das nächste Hindernis: Einchecken nicht möglich, da das von Eurowings gebuchte Kontingent von 30 Zimmer bereits ausgeschöpft ist. Wir sollen uns gedulden, es würde auf eine schriftliche Bestätigung zu Erhöhung auf 90 gewartet. Nach fast einer halben Stunde bekommen wir ein Zimmer. Noch schnell etwas essen und trinken, …

… dann ins Bett, denn der Wecker wird um 3:30 Uhr klingeln. Wir sollen spätesten um 4:30 Uhr an der Security sein – Ferienzeit in NRW und daher um diese Zeit sehr voll.
Nach 5 Stunden mehr oder weniger Schlaf sind wir pünktlich an der Kontrolle. Geht fast ohne Wartezeit, dafür wird mein Rucksack zweimal geröntgt und einmal auf Drogen geprüft. Warten müssen wir dann vor der Passkontrolle, die erst pünktlich um 5:10 Uhr ihre Arbeit aufnimmt. Dafür werden wir vor der Zeit geboardet, fliegen fast pünktlich ab und landen um 6:30Uhr Ortszeit nach Plan in Birmingham. Mit dem Taxi zum Hotel.
Juhuu, die Buchung steht noch und wir können das Zimmer beziehen. Erstmal in Ruhe frühstücken. Wir beschließen, nicht mehr zur ersten Session mit Vorkämpfen ins Stadion zu fahren, sondern diese Im TV zu schauen und etwas auszuruhen.
Am Nachmittag dann zu den ersten Finals ins Alexander Stadium.
Gleich im ersten Wettbewerb, dem Kugelstoßen der Frauen, eine Bronzemedaille durch Jemisi Mabry, unsere Olympiasiegerin von Paris. Guter Auftakt in einem leider nicht sehr stimmungsvollem Stadion.

Nur 13.639 Zuschauer in der 23.000 Besucher fassenden Arena. Der überwiegende Teil davon wird auch erst munter, wenn ein Brite oder eine Britin am Start ist. Emotionaler Höhepunkt des Abends ist der 5.000m Lauf, mit der völlig überraschenden Silbermedaille von Florian Bremm.
Nachdem wir am Montag den öffentlichen Busverkehr für Hin- und Rückweg zum Stadion genutzt haben, versuchen wir für die Vormittagssession am Dienstag den Shuttlebus. Hierfür sind die Tickets allerdings vorab mit einer App zu buchen. Dies gelingt Gesine nach einigen Anläufen mit Hilfe einer freundlichen Volunteer. Shuttle ist doch komfortabler als Nahverkehr!
Im Stadion wollen wieder nur wenige Zuschauer die Qualifikationen und Halbfinals sehen, sodass wir häufiger je nach Wettkampf den Sitzplatz wechseln können.

Dies ist uns auch am Abend möglich, da wieder nur knapp 16.000 Besucher da sind.
Natürlich gibt es auch wieder ein Maskottchen.

Wir müssen also nicht in der prallen Sonne braten, sondern können uns in den Schatten oben unter das Stadiondach zurückziehen. Silber durch Merlin Hummel im Hammerwurf, nach einen fulminanten fünften Versuch. Nach über 40 Jahren mal wieder eine Medaille (Bronze) über 100m der Männer durch den von einer Sperre bedrohten (angeblich Verweigerung einer Dopingprobe) Owen Ansah aus Hamburg.
Am Mittwoch keine Medaille für Deutschland, aber sehr gute Ergebnisse in den ersten 5 Disziplinen des Zehnkampfs, den wir am Anfang direkt von der Startlinie verfolgen können …


… und am Mittag wieder direkt an der Stabhochsprunganlage. Wir sitzen dabei direkt hinter der Familie von Niklas Kaul.
Die partielle Sonnenfinsternis am Abend findet statt, aber nicht für uns. Die einzigen Wolken des Tages stehen dem entgegen.

Die guten Ergebnisse im Zehnkampf setzen sich am Donnerstagvormittag fort. Wir wieder dicht dran.
Die Mittagspause verbringen wir in einem Hotel direkt am Shuttlebus-Halt bei Fish and Chips …

… und in einer klimatisierten Lobby. Draußen hat es mittlerweile 36°.
Es folgt ein goldener deutscher Abend. Gesa Krause gewinnt 3000m-Hindernis, Olivia Gürth holt überraschend Bronze …

… und Lea Meyer stürzt spektakulär in der letzten Runde am Wassergraben und verliert eine mögliche Medaille. Der Höhepunkt des Abends ist natürlich die Entscheidung im Zehnkampf. Ein starker Niklas Kaul rückt mit etlichen persönlichen Bestleistungen immer näher an den führenden Leo Neugebauer heran. Dieser rettet seinen Vorsprung auch über die abschließende 1500m, obwohl die letzten 100m stehend Ko.

Kaul gewinnt Silber. An diesem Abend geht die Bronzemedaille im Diskus der Männer durch Henrik Janssen fast unter.
Darauf ein Guinness.

Freitag, bei wieder erträglicheren Temperaturen, dicht dran an den Siebenkämpferinnen am Vormittag.

Am Nachmittag mal wieder vernünftig essen – nach einfachen indischen oder frittierten Mahlzeiten – im vorab reserviertem Trillium.


Der Abend glänzt wieder Golden und Silbern. Zweite Plätze durch Emil Agyekum über 400m Hürden, der sich nur dem überragendem Norweger Carsten Warholm geschlagen geben muss …

… und Shanice Craft im Diskus der Frauen. Dann schlägt Owen Ansah zu: Gold über 200m! Leider unterbleibt die Ehrenrunde – warum auch immer.

Den Samstagvormittag nehmen wir uns frei, um länger zu schlafen, ausgiebig zu frühstücken, Blog zu schreiben, zu lesen und Zwischenbilanz zu ziehen:
Zu aller erst, Birmingham ist eine hässliche und dreckige Stadt – zumindest in den Teilen, die wir gesehen haben.

Zweitens: Die in der Presse geäußerte Kritik, zu wenige Zuschauer und zu teuer, können wir nur unterschreiben. Dazu kommt, dass die Stimmung fehlt und nur dann aufkommt, wenn GB am Start ist.
Das hier zu Tage tretende Nationalistische ist nur schwer erträglich und für Leichtathletik-Events unüblich. Früher waren die Briten fairer! Uns fehlt außerdem die Medaillenübergabe im Stadion.
Bemerkenswert ist wieder die Organisation rund um die Veranstaltung. Kaum Wartezeiten bei den Shuttlebussen, der Kartenkontrollen und den Sicherheitschecks. Sehr gute Besucherführung durch abgegitterte, geschlängelte Zuwegung.

Außerdem jede Menge Volunteers und Sicherheitspersonal.
Am Samstag- und Sonntagabend nochmal viele Entscheidungen und vorher jeweils Essen in vorab reservierten Restaurants. Am Montagabend fliegen wir nach Düsseldorf – sofern Eurowings eine Crew zusammen kriegt.
Samstagnachmittag begehen wir unseren 42. Jahrestag …

… stilvoll in einem indischen Fine-Dining-Restaurant.




Zur Feier des Indischen Unabhängigkeitstags gibt es ein Extradessert.

Anschließend per Shuttle ins Stadion und dort Silber in der 4x100m-Staffel der Männer und Gold und Silber im Speerwurf der Männer. Julian Weber wird seiner Favoritenrolle erst im sechsten und letzten Versuch gerecht und fängt seinen jungen Teamkollegen Nick Thumm mit Meisterschaftsrekord von 90,40m ab.

Entspannt verlassen wir das Stadion vor der abschließenden 4x100m-Staffel der Frauen, den hier wird der englische Nationalismus wieder fröhliche Urständ feiern.
Außerhalb des Stadions die böse Überraschung! Keine Shuttlebusse! Weit vorne in der Schlange warten wir – die ganze Zeit ohne Informationen(es zeigt sich auch keiner der sonst so präsenten Supervisor oder Volunteers) und mit der Erkenntnis, dass der Fußweg zum Hotel viel zu lang ist – fast 100 Minuten bis der erste Bus um die Ecke biegt. Quälend langsam kommt ein Bus nach dem nächsten. Schließlich sind auch wir dran. Nach den üblichen 20 Minuten zu Fuß vom Endpunkt zum Hotel sind wir um 0:30 Uhr auf unserem Zimmer und trinken erst mal einen Whisky (die Flasche haben wir unterwegs besorgt, denn die Lokale am Weg haben alle um Mitternacht geschlossen).
Habe ich die Transportorganisation in der Zwischenbilanz noch gelobt, so muss ich dies jetzt revidieren. Das Bild, dass hier am Abend abgeliefert wurde, war mehr als armselig! Wir überlegen ernsthaft eine geharnischte Beschwerde über den DLV an das Orga-Komitee zu leiten, schließlich kostet jeder Shuttle auch eine Ticketgebühr und Nerven hat der Abend auch gekostet.
Eine kleine mentale Entschädigung am Sonntagmorgen. Mit dem Aufstehen und vor dem Frühstück erleben wir die Goldmedaille von Amanal Petros (Mitglied von Hannover 96) im Marathon live am TV. Die Marathonmannschaft gewinnt hinter Israel Silber. So kann es am Abend im Stadion weitergehen.
Zum Essen sind wir am Nachmittag im Baloci, einem Restaurant mit venezianisch, persischem Einschlag, eingebucht.


Jedes einzelne Gericht des „Tasting Experience Menue“ sehr lecker,…

… als Menü aber geschmacklich zu einseitig und die Portionen zu groß. Trotzdem ein leckerer Sonntag.
Im Stadion geht der am Morgen begonnene Medaillenregen weiter. Neben Silber für die 4x100m Mix-Staffel – u.a. mit der unverwüstlichen Rebecca Hase und Gina Lückenkemper – auch überraschendes Silber im Speerwurf der Frauen durch Julia Ulbricht. Überragend die 3000m Hindernis der Männer mit Bronze für Karl Bebendorf und Gold für Frederik Ruppert.

Die Medaillenhoffnung von Malaika Mihambo im Weitsprung erfüllte sich leider nicht – nur Platz 5.

Ein letztes Mal shutteln, dies mal wieder ohne Probleme, ein Guinness an der Hotelbar und ein Whisky auf dem Zimmer beschließen den Tag.
Eine erlebnisreiche, durchaus anstrengende Woche mit bemerkenswerten sportlichen Erfolgen der deutschen Mannschaft geht zu Ende, leider auch mit einigen sehr störenden „Nebengeräuschen“im und außerhalb des Stadions.
Das Hotel gut, sauber, mit reichhaltigem englischen Frühstück. Am Ende der Woche – Michelin sei Dank – sehr gut gegessen.
Trotzdem ist Birmingham – tut mir leid „Brumms“ – keine Reise wert!
Am Montag nach einem weiteren englischen Frühstück …

… in Ruhe Kofferpacken und zum Abschluss einen Hightea 2.0 (u.a. ohne Gurkensandwich) im Hotelrestaurant …

… bevor es per Taxi zum Flughafen geht.
Mit einer Stunde Verspätung hebt der Flieger nach Düsseldorf ab, holt aber 30 Minuten auf, sodass wir um kurz vor 23:00 Uhr MESZ unser Gate erreichen. Kein Stau an der Passkontrolle und am Gepäckband fährt gerade unser Koffer vorbei. Um 23.25 Uhr sitzen wir im Auto und erreichen um 1.30 Uhr die Blankweide.
Guten Morgen,
danke für eure Eindrücke! Die teilweise doch sehr guten Leistungen (nicht nur der deutschen Aktiven) sind den Besuch scheinbar wert gewesen.
Eure gemischten Eindrücke zur Organisation, zur mässigen und teilweise atypisch unfairen Publikumsbeteilugung klingen traurig. Da war GB schon besser!
Das unmittelbare Dabeisein hat euch viele überflüssige, plapperhafte und selbstverliebte Kommentare im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erspart!
Wünsche eine problemlose Rückreise und freue mich auf baldiges Wiedersehen!